Pressemitteilung
Stadt Bochum verhindert Konzert im Kunstmuseum wegen Kritik an Vonovia
Lebenslaute spricht von politischem Eingriff in die Kunstfreiheit und fordert Stellungnahme des Stadtrats.
Das
geplante Konzert „Viva la Musica – enteignet Vonovia“ im Kunstmuseum
Bochum kann nach Angaben des politischen Orchesters Lebenslaute nicht
wie vorgesehen stattfinden. Geplant war ein Konzert mit klassischer
Musik und Redebeiträgen zu Wohnungsnot, Verdrängung und dem
Geschäftsmodell großer Immobilienkonzerne.
Nachdem in der Veranstaltungsankündigung Vonovia als Beispiel genannt wurde, wurde die bereits getätigte Raumreservierung gekündigt. Zur Begründung heißt es in einem Schreiben des Kunstmuseums Bochum: „Ihre Zusicherung, dass Strafvorschriften nicht verletzt werden, ist für uns nicht nachvollziehbar, wenn Sie weiterhin den Namen des Wohnungsbauunternehmens Vonovia nennen wollen.“
Weiter heißt es: „Dabei kann nicht ausgeschlossen werden, dass es sich bei Ihren Ausführungen um Verleumdungen und üble Nachrede handelt.“ Lebenslaute weist diese Unterstellung entschieden zurück. Aus Sicht des Orchesters wird hier eine seit Jahren öffentlich geführte Kritik am Geschäftsgebaren von Vonovia in die Nähe einer Straftat gerückt. Die Auseinandersetzung mit Mietenpolitik, Wohnungsnot und der Rolle großer Wohnungskonzerne ist Teil der öffentlichen Debatte und darf in einer demokratischen Gesellschaft nicht aus dem Kulturbetrieb verdrängt werden. „Wenn ein Konzert über Wohnungsnot nicht stattfinden darf, weil ein profitorientierter Immobilienkonzern sich gestört fühlen könnte, zeigt das, wie groß der Einfluss solcher Unternehmen inzwischen ist“, erklärt Viola Forte von Lebenslaute. „Die Stadt Bochum macht sich damit zum Erfüllungsgehilfen wirtschaftlicher Interessen.“ Hier wird unter politischem Druck ein unliebsamer kritischer Kulturbeitrag verhindert. Dass bereits die Nennung eines milliardenschweren Konzerns ausreicht, um eine Veranstaltung aus einem öffentlichen Kulturraum zu drängen, ist ein schwerwiegender Eingriff in Meinungs- und Kunstfreiheit.
Vonovia
ist ein bedeutender Gewerbekunde der Stadt Bochum. Umso stärker drängt
sich deshalb der Eindruck auf, dass es hier nicht um Strafrecht geht,
sondern Kritik an einem mächtigen Unternehmen unterbunden werden soll.
Wohnungsnot, Verdrängung und Mietenexplosion sind reale
gesellschaftliche Probleme. Sie müssen öffentlich benannt werden dürfen –
auch unter Nennung des Namens Vonovia.
Das an Lebenslaute gerichtete
Schreiben mit den zitierten Passagen ist von der Museumsdirektorin Noor
Mertens unterzeichnet. Bei dem Vorgespräch am 23.07.2026 spielte jedoch
der Bochumer Kulturdezernent Dietmar Dieckmann die entscheidende Rolle.
Lebenslaute sieht deutliche Anhaltspunkte dafür, dass von ihm als
Vertreter der Stadt Druck auf das Kunstmuseum ausgeübt wurde. Dass
ausgerechnet in einem Kunstmuseum die Kunstfreiheit eingeschränkt wird,
bewertet Lebenslaute als politischen Skandal. Der Vorgang ist ein
weiteres Beispiel dafür, wie öffentlicher Raum und verfassungsrechtlich
geschützte Freiheiten unter Druck geraten, wenn wirtschaftlich mächtige
Akteure kritisiert werden.
Lebenslaute fordert:
– Kunstfreiheit im Kunstmuseum Bochum
– die Durchführung des Konzerts ohne politische Zensur
– eine unverzügliche öffentliche Stellungnahme des Stadtrats Bochum zu diesem Vorgang
Für den Fall, dass es bei der Absage für den Raum im Kunstmuseum bleibt, hat Lebenslaute vorsorglich eine musikalische Kundgebung angemeldet. Genauere Infos folgen.
Pressekontakt:
Lebenslaute / Pressestelle
Telefon: 015510 263578
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Viva la musica – enteignet Vonovia
Immobilien-
und Kapitalkonzerne verdienen Millionen – Menschen verlieren ihr
Zuhause. Mit Wohnungen wird spekuliert, Häuser werden gekauft,
entmietet, „luxussaniert“ oder gleich abgerissen. Und die Mieten werden
unbezahlbar. Über eine Million Menschen in Deutschland sind wohnungs-
und obdachlos. Doch: Wohnen ist ein elementares menschliches Bedürfnis
und Garant für Menschenwürde.
Das Unternehmen Vonovia
Vonovia ist der größte
europäische Immobilienkonzern mit mehr als 460.000 Wohnungen in 460
deutschen Städten. Auch der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen ist
mittlerweile im Besitz von Vonovia. Vonovia hat einen Verkehrswert von
69,4 Mrd €. Er ist bekannt dafür, dass er die Ausbeutung von
Mieter:innen vorantreibt und rechtswidrige Abrechungen und
Mieterhöhungen verschickt.
2025 erhielt Vonovia den Goldenen Geier
durch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) für die „dreisteste Umweltlüge“. Im
Januar 2026 wurden ehemalige Vonovia-Manager wegen Bestechlichkeit zu
Haftstrafen verurteilt.
Rendite vor Verantwortung: Vonovias Geschäftsmodell der Profitmaximierung
Der
Konzern betreibt ein Geschäftsmodell, das an Aktionärsinteressen und
Renditeerwartungen ausgerichtet ist. Die Versorgung der Allgemeinheit
mit ausreichendem und bezahlbarem Wohnraum liegt nicht im Interesse von
Vonovia. Um die überhöhten Ausschüttungen an die Aktionär:innen zu
decken, werden permanent Mieten – z.T. rechtswidrig – erhöht, überhöhte
Neuvertragsmieten und überzogene, intransparente Nebenkosten verlangt
und der Wohnungsbestand und das Management der Baustellen
vernachlässigt. Zusätzlich verdient Vonovia durch eigene
Dienstleistungen wie Handwerksdienste und Energielieferungen.
Lobbyismus lohnt sich: Die Politik spurt
Vonovia
ist in 16 Lobbyverbänden vertreten und investierte 2021 über 900.000 €
in Lobbyarbeit. Das lohnt sich: Die Regierungen unterwerfen ihre
Wohnungspolitik den Wünschen von Kapitalgesellschaften und
Immobilienkonzernen und gewähren umfangreiche staatliche
Steuervergünstigungen. Anonyme Briefkastenfirmen dürfen als
Wohnungsvermieter fingieren und die Besitzverhältnisse verschleiern. Es
fehlen Regulierungen bei Steuerflucht sowie anderen Strategien zur
Steuervermeidung, und es gibt verfassungswidrige Vorteile für Konzerne
beim Erbschaftsrecht.
Mieter:innen werden dem Diktat der Finanzmärkte ausgeliefert
Spekulation
und Profitlogik der Immobilienkonzerne treiben die Mieten – und
fatalerweise damit auch die Preise im Mietspiegel – immer weiter in die
Höhe. 2021 flossen rund 41 Prozent der Vonovia-Mieteinnahmen in die
Taschen der Aktionär:innen.
Immer weniger Sozialwohnungen – immer mehr Spekulation
1990
wurde die dauerhafte Sozialbindung für geförderten Wohnraum aufgehoben.
Das führt zu immer weniger Sozialwohnungen und zu zunehmender
Mietenarmut und Wohnungslosigkeit. Ehemalige Sozialwohnungen stehen
jetzt für Gentrifizierung und weitere Spekulation zur Verfügung.
Der Staat zahlt, die Aktionäre kassieren
Für
Vonovia besonders lukrativ sind Wohnungen, deren Miete vom Staat bezahlt
wird. Rund ein Viertel von Vonovias Mieter:innen erhält Wohngeld oder
Zuschüsse zu den Kosten der Unterkunft. In diesen – meist
heruntergekommenen – Immobilien wurden die Mieten stark erhöht, in
Regionen mit Wohnungsmangel liegen diese weit über den
Durchschnittsmieten. 2021 flossen 18,6 Mrd. Euro aus Jobcentern an deren
Vermieter – ein erheblicher Teil an Vonovia.
Falsches Versprechen: Mieten senken durch bauen, bauen, bauen…
Mieten
im Bestand werden weiterhin steigen, solange der politische Wille zu
Reformen ausbleibt: beim Mietrecht, dem Umgang mit Grund und Boden sowie
beim Abbau von Steuerprivilegien für Immobilienkonzerne. Vonovia &
Co haben kein Interesse an bezahlbarem Neubau, denn dieser würde die
Profitspannen reduzieren.
Die ökologische Kehrseite des Bauens
Baumaterialien
und Versiegelung verursachen klimaschädliche Emissionen und vernichten
Biodiversität. Statt ungezügelter Immobilienspekulation ist jetzt
notwendig: Einschränkungen bei Flächenverbrauch und Versiegelung,
städtebauliche Anpassungen angesichts der drohenden Klimakatastrophe mit
dem Fokus auf Neu- und Weiternutzung von bestehenden Gebäuden und der
Wiederverwendung von Baumaterial.
Klamme Kommunen unter Druck
Bund, Länder und
Kommunen haben in großem Umfang eigene Wohnungsunternehmen in den
Kapitalmarkt verkauft. Auch der Ausverkauf von öffentlichem Grund wurde
und wird von ihnen vorangetrieben. Die finanziellen und sozialen Folgen
fallen wiederum auf sie zurück: Wohnungsämter und Sozialverbände sind
mit dem Anstieg der Obdachlosen und Wohnungslosen überfordert, die
Aufwände für Kosten der Unterkunft durch die Jobcenter steigen stetig,
obwohl die Anzahl der Bezugsberechtigten sinkt. Viele Kommunen werden
dadurch zu radikalen Sparmaßnahmen gezwungen.
Folgen für Mieter:innen – und für uns alle
Miet-
und Energieschulden sind die Hauptursache für den Anstieg der
obdachlosen Menschen, darunter 260.000 Kinder und Jugendliche. Für
Bürgergeldbezieher:innen sollen nun die Sanktionen im Rahmen der neuen
Grundsicherung verschärft werden. Damit verbunden ist das Risiko, dass
noch mehr Menschen ihre Wohnung verlieren. Mieter:innen bezahlen bis zu
60% ihres Einkommens für ein Dach über dem Kopf. Pflegekräfte,
Busfahrer:innen, Erzieher:innen, Polizist:innen können sich die Mieten
in den Großstädten nicht mehr leisten. Umziehen ist nahezu unmöglich,
weil bei jeder Neuvermietung die Preise erhöht werden. Wohnen macht
Menschen arm.
Untätige Regierung
Die Regierungen ändern nichts
an den Grundlagen dieser existenziellen Bedrohung für Mieter:innen. Ihre
Untätigkeit untergräbt das Vertrauen in politische
Entscheidungsträger:innen, verschärft die Armuts- und Reichtumsschere
und stärkt das rechte politische Lager.
Politikwechsel nowendig
Wohnungen und Wohnungsbau
müssen als gemeinnützig verstanden werden. Wohnungen dürfen keine
Spekulationsobjekte, sondern Wohnraum für alle sein. Die Stadt Wien
zeigt, wie das geht: mit Hilfe einer Wohnbausteuer fördert sie den
Gemeindebau.
Wir brauchen Regelwerke zur Einschränkung von
Immobilien-Spekulation und ein grundlegendes Umdenken im Umgang mit
Grund und Boden. Immobilienkonzerne, die sich nicht gemeinwohlorientiert
verhalten, müssen enteignet werden – allen voran Vonovia.
Wir fordern
– Wohnraum für alle: Sozialwohnungen erhalten! Leerstand verhindern! Mieten deckeln!
– Kein Ausverkauf von öffentlichem Boden! Spekulation stoppen! Keine Profite mit der Miete!
– Anwendung von Art. 14 und Art 15 Grundgesetz: „Eigentum verpflichtet“: Vonovia enteignen!
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